Aktivstall Hackmann – Stallkonzept für mehr Tierwohl

Familie Hackmann aus Hemmelte, einem Ortsteil der niedersächsischen Gemeinde Lastrup im Landkreis Cloppenburg, setzt ein Zeichen in Sachen Tierwohl und artgerechter Schweinehaltung. Mit einem innovativen Stallkonzept, das durch Gabriele Mörixmann geprägt und als „Aktivstall für Schweine“ durch sie bekannt wurde, geht Heinz Hackmann neue Wege.

Er hat seine Schweinemast, mit der er seit 2015 mit einigen Tieren an der Initiative Tierwohl teilnimmt, um eine zusätzliche Aktivstallhaltung ergänzt, die den Schweinen doppelt so viel Platz bietet als es bei der konventionellen Haltung üblich ist. Seine Frau und die beiden Töchter sowie ein Festangestellter und zwei Aushilfskräfte unterstützen den Landwirt dabei, sein Vorhaben, noch mehr für die Tierwohlhaltung zu tun, in die Tat umzusetzen. Gemeinsam kümmern sie sich auf insgesamt 155 Hektar um Tiere, Stallgebäude und landwirtschaftlich genutzte Fläche.

Mehr Platz, mehr Licht & mehr Aktivität

Als Heinz Hackmann im November 2016 das erste Mal von einem „Aktivstall für Schweine“ erfuhr, war er sofort Feuer und Flamme. Einige Telefonate, persönliche Gespräche und Vor-Ort-Besuche später mit uns von Kalieber und Niko Brand vom Schlachthof Brand in Lohne, war klar: Hof Hackmann bekommt einen Aktivstall! Im April 2017 bezogen die ersten Schweine das alte Stallgebäude auf dem Hof des Schwiegervaters, das 240 Tieren Platz bietet. Dank der zahlreichen Fenster und Tageslichteinfall herrschen lichtdurchflutete Verhältnisse. Es stehen 1,5 qm Fläche pro Tier zur Verfügung und warten zahlreiche, natürliche Beschäftigungsmöglichkeiten sowie unterschiedliche Bereiche darauf, von den neugierigen Tieren erkundet zu werden.

Langeweile? Nicht im Aktivstall!

Die Neugier ist es, die auch Heinz Hackmann gepackt hat. Als Landwirt aus Leidenschaft ist es ihm ein persönliches Anliegen, zu beobachten, wie sich die Aktivstall-Schweine in Gemeinschaft verhalten und entwickeln, wie sie auf neue Beschäftigungsmöglichkeiten reagieren und welche Bereiche sie am liebsten erkunden. Die Erkundungstour führt durch fünf verschiedene Räume, in denen sich Spaltenböden und Stroheinstreu abwechseln. Liege- und Spielbereiche, ein Auslauf nach Draußen sowie Fressbereiche sorgen für viel Bewegung. Wer fressen und saufen will, muss aktiv werden, um die Tränken mit offener Wasseroberfläche und Futterstellen zu erreichen. Lecksteine für die zusätzliche Mineralversorgung, Heuraufen, Wasserspiele, Scheuerbalken und Bürsten, Sisalseile und Ketten mit daran befestigten Weichhölzern sowie Stroh in Hülle und Fülle fördern Spiel- und Wühltrieb. Langeweile kommt im Aktivstall von Heinz Hackmann nicht auf!

Konsequent im Handeln

Alle 3 bis 4 Tage wird vollständig ausgemistet und mit dem selbst angebauten Gerstenstroh neu eingestreut. Gefüttert wird eine Futtermischung auf Rapsbasis vom futterproduzierenden Landhandel, der nur ein paar Hausnummern weiter angesiedelt ist. Damit werden die Tiere ausreichend mit Proteinen versorgt und auf die Fütterung von genmanipuliertem Sojaschrot wird konsequent verzichtet.

Ebenso konsequent verhält es sich mit dem Kürzen der Schwänze. Schweine mit kupierten Schwänzen hält Heinz Hackmann im Aktivstall nicht. Die Ferkel, die mit etwa 30 kg bei ihm eingestallt werden, stammen aus einem eine Stunde Fahrzeit entfernten Ferkelbetrieb, der sie auf Stroh und mit viel Platz aufwachsen lässt. Der Aktivstall-Nachwuchs wächst bereits in einer aktiveren Haltungsform auf, sodass ihnen die Schwänze nicht vorsorglich gekürzt werden müssen, um vor Nekrosen zu schützen, die häufig durch Beißereien aufgrund von Langeweile und Platzmangel entstehen.

Aufgeteilt in drei Gruppen zu je 80 Tieren verbringen die Mastschweine etwa 120 Tage im Aktivstall Hackmann, bis sie mit ca. 120 kg Lebendgewicht zum 20 km entfernten Schlachthof Brand gefahren werden.

Schweinemast mit Leib & Seele

Der staatlich geprüfte Wirtschafter für Landwirtschaft ist stolz auf seine gesunden Schweine, die lediglich eine regelmäßige Wurmkur erhalten. Prophylaktischer Antibiotikaeinsatz? Nicht im Aktivstall bei Heinz Hackmann! Ist ein Tier erkrankt, erhält es natürlich notwendige Medikamente sowie eine Einzeltierbehandlung und alles wird genau dokumentiert.

Tierwohl ist für den Landwirt nicht bloß eine Floskel; der Begriff begleitet ihn schon sein ganzes Leben. Er wollte nie etwas anderes machen, denn landwirtschaftliche Tierhaltung wurde ihm in die Wiege gelegt. Für den zweifachen Familienvater war schon als Kind klar, dass er einmal in die Fußstapfen seines Vaters tritt und einen landwirtschaftlichen Betrieb führt. Heute hat er sich mit Leib und Seele der Schweinemast auch unter Tierwohl-Aspekten verschrieben und setzt zusätzlich auf die Aktivstallhaltung, da er selbst aktiv an der Verbreitung des Tierwohlgedankens beitragen möchte.

Eine perfekte Zusammenarbeit

Für Familie Hackmann gibt es nichts Schöneres als gesunde Schweine aufzuziehen. Und wenn diese dann auf einem Schlachthof geschlachtet und in einer Fleischerei weiterverarbeitet werden, in denen ebenso viel Wert auf Tierwohl gelegt wird, dann ist dies doch die ideale Voraussetzung, um das Konzept „Aktivstall für Schweine“ weiter zu etablieren.

Wir sind stolz darauf, mit Heinz Hackmann einen engagierten Landwirt gefunden zu haben, der perfekt zum Kalieber-Gedanken passt. Unter dem Motto #wirkennendenlandwirt gehen wir gemeinsam einen Schritt in eine Zukunft, in der Fleischqualität, die bereits durch die Haltungsform des Tieres geprägt ist, wieder mehr wertgeschätzt und in der mit Eigenanspruch und Respekt vor dem Tier gehandelt wird. Mit diesem Aktivstall hat Kalieber einen weiteren perfekten Partner für eine feinkaliebrige Zusammenarbeit gefunden!